Sonntag, 26. September 2010

Drama ist fürs Frühstück gut – Draaaaaamaaaaaa!

Kennst du das?
Sonntagmorgen. Du sitzt gemeinsam mit deinem Partner oder deiner Familie am Frühstückstisch und freust dich auf ein entspanntes Sonntagsfrühstück in trauter Gemeinsamkeit.

Plötzlich bricht scheinbar aus heiterem Himmel ein Streit hervor - zunächst vielleicht nur ein kleines Mißverständnis, eine ungeschickt formulierte Bemerkung, und schon gibt ein Wort das andere und du landest in einer leidenschaftlichen Diskussion, die sich unheilvoll durch den liebevoll gedeckten Tisch fräst.

Und obwohl du doch eigentlich etwas ganz anderes wolltest, hast du nun statt lecker Brötchen im Magen Wut im Bauch - statt Sonne im Herzen frostige Stimmung im Raum und vielleicht sogar Tränen im Kaffee.

Na toll und wie ist das nun wieder passiert? Wieso gehen solche Dinge immer wie von alleine? Und wieso fühle ich mich hinterher komplett ausgelaugt und leer? Und den anderen, die an diesem Streit beteiligt waren, geht es genauso.

Der einzige, der sich bei diesem Intermezzo ganz und gar nicht leer und ausgelaugt fühlt, sondern wohlig grunzt und vollgefressen unter dem Küchentisch schnarcht, ist – richtig - Monsieur Gremlin!!! Dieser von uns so gern ignorierte König unserer eigenen Unterwelt, der nichts lieber mag als sich von zerstörter Vertrautheit, Schönheit und Nähe zu ernähren.

Sein Lieblingsspiel nennt sich „niederes Drama“. Und während wir glauben, dass es eine Unterwelt nur in Science Fiction Filmen gibt oder nur so ein paar Schwerverbrecher im Gefängnis damit ausgestattet sind oder wir vielleicht sogar davon wissen, uns aber gerade der Präsenz unseres Gremlins nicht bewusst sind, benutzt dieser unsere Gefühle auf unverantwortliche Art und setzt das Täter-Retter-Opfer-Spiel in Gang. Und schon finden wir uns in folgenden Rollen wieder, die beliebig wechseln können.

Unsere Wut benutzt der Gremlin, um sich als Täter aufspielen zu können. „Oh Mann, DU hast vergessen, Butter zu kaufen! Du kriegst noch nicht mal die Organisation von einem Frühstück gebacken!“

Unsere Traurigkeit benutzt der Gremlin unverantwortlich, um sich als Opfer in Szene zu setzen: „Immer ich! Wieso hat denn von euch keiner die Butter besorgt? Ihr wißt doch, wieviel ich zu tun habe. Niemand nimmt hier wahr, wie sehr ich mich abplage!“

Unsere Angst benutzt der Gremlin unverantwortlich, um sich als Retter hervorzutun und ungefragt seine „Hilfe“ aufzudrängen: „Du hast heute schon so viel getan, bleib sitzen, ICH besorge die Butter.“ - Die Arme, jetzt seid mal nicht so hart, jeder kann doch mal was vergessen! – Mensch, die sind alle so gemein zu dir, komm, ich mache dir einen Kaffee!“

Unsere Freude benutzt der Gremlin unverantwortlich, um sich auf Kosten anderer einen Spaß zu erlauben. „Ach nee, du hast die Butter vergessen, na wie gut, dass dein Kopf angewachsen ist, haha. – Oh, unser Aschenputtel jammert wieder. - Du bist aber tierlieb, hast extra ein Vogelnest aus deinen Haaren gezaubert, haha.

Und egal, in welche Rolle unser Gremlin schlüpft, er fühlt sich dabei pudelwohl und tanzt im Drama-Dreieck. „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Gremlin heiß!!!“

Es gibt nur ein Mittel, um Niederes Drama zu beenden: BEWUSSTHEIT über den Gremlin und die WACHHEIT, zu bemerken, wann er das Steuer übernommen hat.

UND wie schon im Blog „Nutzen des inneren Gremlins“ beschrieben, ist der Gremlin weder gut noch schlecht. Er kreiert einfach nur bestimmte Ergebnisse und es liegt an dir, zu entscheiden, welche Ergebnisse du in deinem Leben haben willst.

Unter diesen Links findest du weitere Definitionen zu den Begriffen Niederes Drama, Hohes Drama und Gremlin.

Mittwoch, 15. September 2010

Märchenprinzen gibts nicht mehr!

Hier kommt eine denkbar schlechte Nachricht für Frauen:

Edle Prinzen auf weißen Pferden, die euch auf ihrem Roß ins Schloß entführen, gibt’s nicht mehr (und hat es womöglich auch noch nie gegeben). Es handelt sich bei diesen Geschichten eher um Wahrscheinlichkeiten einer möglichen Option, die nur andeuten sollen, dass so etwas rein theoretisch mal vorkommen könnte.

Also aufwachen, Mädels! Edle Prinzen gibt’s nicht mehr, weiße Pferde schon. Also beendet euren Dornröschenschlaf, schwingt euch aufs Pferd (o.k. ein silberner Polo oder ein Mountainbike tun’s auch) und macht euren Mann oder anvisierten Partner selbst zum Edelmann, zum König. In unserer Welt werden Könige nicht gefunden, sondern gemacht!

Ja, ich weiß… der Genuß von Abführmitteln ist angenehmer als diese Nachricht, aber hey, das heißt auch, dass du eine Wahl hast und nicht wie ein Opfer warten und noch weitere 100 Jahre im Märchenschloß schlafen mußt, während deine Weiblichkeit, dein Strahlen und deine Erotik verstauben….

Ich meine, wie oft sorgen deine Bemerkungen und Blicke dafür, dass sich dein Mann wie ein König fühlt und wie oft sorgen deine Bemerkungen und Blicke dafür, dass er sich wie der letzte Versager oder ein Schwein fühlt? Wie oft lässt du es zu, dass er dich zur Königin macht und wie oft ermutigst du ihn dazu, dich zur Sau zu machen?

An wem könnte es dann also liegen, ob wir ein Schwein oder einen König an unserer Seite haben?
Wie oft kannst du Nettigkeiten annehmen und wie oft hörst du wirklich das, was dein Partner sagt und wie oft bastelst du aus dem Gesagten einfach nur deine Lieblingsgeschichte, die dein Programm bestätigt, egal ob dies besagt, dass Männer Schweine sind, oder man sich auf Männer sowieso nicht verlassen kann oder Männer einen nur ausnutzen oder Männer nicht für sich selbst sorgen können oder Männer wie Kinder zu behandeln sind oder Männer gefährliche Tyrannen sind?
Die Liste unserer Programmierungen in Bezug auf Männer ist endlos. Und jede von uns hat für ihre persönliche Geschichte über Männer schließlich auch reichlich Beweise gesammelt und kann mit reichlich Zeugen aufwarten.

Und wir sammeln eifrig weiter Beweise und heben sie wie kleine Schmuckstücke in unserer Grollschatulle auf. Und, was noch viel bedeutsamer ist: wir sorgen mit allen Mitteln dafür (wenn auch unbewusst), dass wir Recht behalten!!!

Wenn wir der Meinung sind, dass man sich auf Männer nicht verlassen kann, dann bringen wir durch unser Verhalten selbst das integerste männliche Exemplar dazu, uns zu enttäuschen – es sei denn, es handelt sich um ein besonders bewußtes und wachsames Exemplar, das dieses Spiel durchschaut und einfach nicht mitspielt.

Ich habe folgendes Erlebnis hierzu:
Vor ca. 16 Jahren, als ich noch relativ frisch mit meinem Mann zusammen war, fuhren wir einmal zur Post. Er blieb im Auto sitzen und ich lief zum Briefkasten, warf einen Brief ein und ging wieder zurück zum Auto. Ich sah, dass er mich beobachtete und dachte bei mir: „Jetzt denkt er bestimmt, ich bin zu dick!“ Ich stieg wieder ins Auto ein und wir fuhren weiter. Nach einer Weile fragte ich: „Du, was hast du eigentlich vorhin gedacht, als ich zum Briefkasten gelaufen bin?“ (und war mir sicher, dass ich die Antwort bereits kenne). Er sagte: „Interessant, dass du das fragst. Ich sah dir vorhin hinterher und bekam plötzlich einen Gedanken, den ich noch nie über dich gedacht habe, nämlich, dass du zu dick bist. Und ich habe mich gefragt, woher dieser Gedanke kam, denn das ist überhaupt nicht das, was ich von dir denke.“
Das heißt, dieser Gedanke kam eindeutig von mir! Was für ein Glück, dass mein Mann in diesem Moment so wachsam war und erkannt hat, dass es nicht sein Gedanke war, denn sonst hätte ich ihn – aus 20 Metern Entfernung! – dazu manipuliert, das über mich zu denken, was meinem Selbstbild entsprach.

Wie oft manipuliere ich also meinen Mann dazu, das von mir zu denken, was meiner Geschichte, meinem Programm entspricht, nur um meine Geschichten, mein Programm zu bestätigen und meine Narben zu vertiefen?

Wäre es nicht weitaus sinnvoller, dass wir unser Augenmerk auf unsere unbewussten Machenschaften lenken, uns dabei ertappen, wann wir manipulieren, wann wir unsere liebste Opfergeschichte zementieren und wann wir unseren Liebsten zum Schwein statt zum König machen als uns weiterhin über unsere Männer zu beschweren oder auf „den Richtigen“ zu warten?

Wenn wir uns in dieser Selbstbeobachtung trainieren und es noch schaffen, uns dann dafür nicht fertig zu machen, sondern es einfach nur als zwar schmerzhafte, jedoch neutrale Begebenheit zu beobachten, dann könnte sich wirklich etwas in unseren Beziehungen ändern. Noch so tolle antrainierbare Verhaltensweisen und Kommunikationsformen nutzen nichts oder sind nicht nachhaltig, wenn wir weiterhin unbewusst unsere Geschichte über Männer bestätigen (müssen).

Also, wie gesagt, vergeßt den Märchenprinzen! Holt die Lupe raus, werft die inneren Scheinwerfer an, werft das Schweine-Rezept weg und erinnert euch wieder daran, wie man selbst einen König macht!

Falls dein Rezept für Könige schon völlig von den Motten zerfressen ist oder einfach nicht auffindbar, dann gibt es inzwischen Gott sei Dank ein wirklich wertvolles Rezeptbuch für Königmacherinnen (und Königinnenmacher!): Wahre Liebe im Alltag, das gänzlich auf Märchen verzichtet und sowohl Frauen als auch Männer darin ermutigt, Verantwortung für ihr eigenes Liebesglück zu übernehmen.